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Hope you get rich - Meine Eindrücke aus 3 Wochen China

sarahkohtes
21. Feb.
3 Min. Lesezeit

Hope you get rich

Das chinesische Neujahrsfest rückt näher, und mit ihm beginnt das Jahr des Pferdes. Schon jetzt prägen Neujahrswünsche das Stadtbild: auf Straßenschildern, in Schaufenstern, auf kleinen Mitbringseln. Kaum ein Satz verdichtet so sehr, was vielen als Triebkraft der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft gilt.

Über das westliche Neujahr reisten mein Partner und ich drei Wochen durch China – von den Megacities Shanghai (wo ein Teil meiner Familie lebt) und Chongqing über den Nationalpark Zhangjiajie nach Changsha (der Heimatstadt eines Freundes), bis schließlich in die Provinz Yunnan am Fuße des Himalayagebirges.




Wo sind VW, Audi und BMW?

Mein erster Eindruck am Flughafen: Ich erkenne keine einzige Automarke! Zumindest hier, während wir auf unser DiDi (das chinesische Pendant zu Uber) warten. Später erklärt uns ein Chinese, den wir beim Wandern kennenlernen: die deutschen Automarken sind weiterhin beliebt als Statussymbol des „alten Geldes“, aber E-Autos sind längst im Alltag der breiten Bevölkerung angekommen. Auch wir schauen uns interessiert mehrere E-Autos genauer an, die die Hersteller in Showrooms in großen Shoppingmalls ausstellen.



Alt ab 35

Was mir auffällt: die Sauberkeit: Kein Müll, kein Graffiti. Ob dies an der weitläufigen Videoüberwachung oder tatsächlich an dem Respekt vor dem Umfeld liegt, vermag ich nicht zu sagen, fest steht jedoch, dass mir dieser Zustand einen Vergleich zu deutschen Städten aufdringt. Es sind überwiegend ältere Menschen, die man zu fast jeder Tageszeit draußen kehren sieht. „Ab 35 wird man auf dem chinesischen Arbeitsmarkt als alt und verbraucht angesehen“, erklärt mir ein chinesischer Freund, der uns einen Teil der Reise begleitet. Er kennt die Arbeitswelt in beiden Ländern und empfindet die deutschen Bedingungen als humaner, gerade auch was Arbeitszeiten und Urlaubstage angeht.



Leistung von klein auf

Auch über seine Schulzeit in einem chinesischen Internat sprechen wir. Das chinesische Bildungssystem beschreibt er als leistungsorientiert, hart und von enormem Konkurrenzdruck geprägt. Der Kampf um Studienplätze und gut bezahlte Jobs beginnt früh. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es mir umso richtiger, dass es in Deutschland weniger zum Tabu wird, über mentale Gesundheit sprechen – nicht als Luxusproblem, sondern als gesellschaftliche Aufgabe.


Das Sagbare

Gespräche über Politik sind möglich, aber sie haben Grenzen. Die Chinesen, mit denen wir ins Gespräch kommen, sind gebildet, privilegiert und kennen das Leben außerhalb Chinas. Wir sprechen über globale Machtverhältnisse, über Schule und Arbeit, über das Leben des Einzelnen. Was darüber hinaus geht - Taiwan, der Umgang mit Minderheiten oder gar die Infragestellung des Systems – das lassen wir lieber.


Das Alte im neuen China

Nichtsdestotrotz ist mein Eindruck: für viele Chinesen scheint das System zu funktionieren. Gerade der jungen, gebildeten Generation geht es gut und sie stellen ihren Luxus gerne zur Schau. Ich frage mich, wie viel vom Maoismus heute noch in den Köpfen der Chinesen steckt. Mao Zedong wird in China verehrt: in Changsha, seiner Studienstadt, steht eine gigantische Statue von ihm; in vielen DiDis hängen kleine Mao-Porträts am Rückspiegel; Geschäfte verkaufen Tassen mit seinem Gesicht drauf. Die Gleichzeitigkeit von Konsumorientierung, Akademisierung und der wirtschaftlichen Öffnung Chinas einerseits und der Glorifizierung des Maoismus andererseits erscheint mir paradox.



Was hält eine Gesellschaft zusammen?

In Chongqing zeigt uns unser chinesischer Freund einen Tempel. Der beliebteste Gott sei Caishen, der Moneygod, erzählt er. Ich frage mich: was hält die chinesische Gesellschaft zusammen? Welche Werte sind wichtig? Während ich diesen Text verfasse, frage ich mich: wie kritisch darf ich sein? Könnte mir eine erneute Einreise verwehrt werden, wenn ich zu kritisch bin? Wie viel darf ich über unsere Reisebegleiter preisgeben? Auch das ist Teil meiner Erfahrung. Insofern: Ich weiß, was ich an Deutschland habe. Ein soziales Netz, gute Arbeitsbedingungen, und vor allem: Eine Demokratie, in der ich auch kritisch sein darf.


 
 
 

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